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Verzwirbelte Maschen erkennen und korrigieren


Zwei Strickproben im Vergleich mit rosefarbener Stricknadel

Du strickst routiniert vor dich hin, schaust auf dein Werk – und merkst: Da sieht eine Masche anders aus als ihre Nachbarn. Verdreht, ein bisschen zusammengekniffen, eine schräge Linie statt einer sauberen V-Form. Eine verzwirbelte Masche. Eine der kleinen Anfänger-Fallen, die fast jedem passiert und die nicht jeder sofort erkennt. Hier liest du, was sie verursacht, wie du sie zuverlässig identifizierst und wie du sie korrigierst – egal ob direkt beim Stricken oder erst Reihen später.

Was ist eine verzwirbelte Masche?

Eine Masche besteht aus einer Schlinge mit zwei Schenkeln: einem vorderen und einem hinteren. Normalerweise sitzt die Masche so auf der Nadel, dass der vordere Schenkel rechts liegt. Wenn die Masche aber gedreht ist – also der hintere Schenkel rechts liegt –, sitzt sie verkehrt herum auf der Nadel. Das ist der Punkt, an dem das Problem entsteht.

Wenn du nun in diese verdrehte Masche normal einstichst, schließt sich die Drehung ein und wird Teil deines Maschenbildes. Optisch sieht das fertige Stück dann genau so aus, wie verzwirbelte Maschen heißen: leicht schräg, etwas verdreht, die V-Form ist gestaucht.

Warum entsteht sie überhaupt?

Es gibt drei Hauptursachen:

1. Falsches Auflegen beim Maschenanschlag. Wenn du beim Anschlagen oder beim Aufheben einer Masche den Faden falsch herum um die Nadel legst, sitzt die Masche von Anfang an verkehrt. Beim Stricken arbeitet sie sich dann zwangsläufig verdreht ein.

2. Fallmasche falsch zurückgesetzt. Klassiker: Du fängst eine heruntergefallene Masche, setzt sie zurück auf die Nadel – aber verdreht. Sobald du in der nächsten Reihe darüberhinüber strickst, bleibt sie verzwirbelt.

3. Englische und kontinentale Methode gemischt. Manche Strickerinnen führen den Faden in einigen Maschen versehentlich anders herum. Das produziert nicht jedes Mal eine verzwirbelte Masche, aber es kann passieren – besonders bei linken Maschen.

So erkennst du eine verzwirbelte Masche

Auf der Nadel: Schau dir die Maschen vor dem Stricken an. Eine korrekte Masche hat den vorderen Schenkel rechts. Bei einer verdrehten Masche liegt der vordere Schenkel links. Mit etwas Übung erkennst du das auf einen Blick.

Im fertigen Strickbild: Im glatt rechten Maschenbild sehen normale Maschen aus wie kleine, aufrechte V-Buchstaben. Eine verzwirbelte Masche wirkt wie ein leicht zusammengezogenes V, fast als hätten sich die beiden Schenkel über Kreuz gelegt. Bei normalem Tageslicht und fertigem, glattem Strickbild fällt eine vereinzelte Verzwirbelung sofort auf.

Was tun, wenn du sie auf der Nadel siehst?

Das ist der Idealfall – die Reparatur dauert dann fünf Sekunden:

  1. Hebe die verdrehte Masche ohne sie zu stricken mit der rechten Nadel ab.
  2. Setze sie korrekt herum auf die linke Nadel zurück (vorderer Schenkel rechts).
  3. Stricke sie ganz normal ab.

Alternative: Du strickst die verdrehte Masche bewusst verschränkt ab – also indem du nicht in den vorderen, sondern in den hinteren Schenkel einstichst. Effekt: Die Drehung wird wieder herausgenommen, und die Masche steht wieder gerade. Diese Variante ist schneller, braucht aber etwas Übung.

Was tun, wenn sie schon im Strickstück verarbeitet ist?

Hier wird es etwas aufwändiger. Du hast zwei Möglichkeiten:

Variante 1: Senkrecht reparieren – wie bei einer Fallmasche.

  1. Nimm eine Häkelnadel.
  2. Hebe die verdrehte Masche an ihrer Stelle vorsichtig auf, indem du sie auflöst, bis du an die verzwirbelte Reihe gelangst.
  3. Lass die einzelne Masche bis zur fehlerhaften Stelle herunterlaufen (also gezielt ein paar Reihen aufdröseln).
  4. Hole sie mit der Häkelnadel korrekt herum wieder hoch, Reihe für Reihe – wie beim Fallmaschen-Retten.
  5. Setze sie zurück auf die Stricknadel.

Das ist die Methode der Wahl bei einer einzelnen verdrehten Masche, deren Position du genau kennst.

Variante 2: Auftrennen. Wenn die verdrehte Masche so weit unten liegt, dass die senkrechte Reparatur zu mühsam wird – oder wenn mehrere Maschen betroffen sind – ist es manchmal ehrlicher, das Strickstück bis zur Stelle aufzuribbeln und neu zu stricken. Bei einem Pullover, der jahrelang getragen werden soll, lohnt sich der Aufwand.

Wann sind verzwirbelte Maschen gewollt?

Manche Muster setzen verschränkte Maschen gezielt ein. Sie werden dann mit „verschränkt rechts“ oder „verschränkt links“ gekennzeichnet. Das ergibt ein engeres, plastischeres Bild – beliebt bei eleganten Pullovern und feiner Spitze. Die Drehung ist dann kein Fehler, sondern Stilmittel.

Wichtig also: Bevor du eine vermeintliche Verzwirbelung „korrigierst“, schau in die Anleitung. Steht „verschränkt“, ist es Absicht. Steht es nicht, ist es ein Fehler.

Wie du Verzwirbelungen vorbeugst

  • Vor jedem Strickbeginn am Reihenanfang prüfen: Sitzen alle Maschen mit dem vorderen Schenkel rechts auf der Nadel?
  • Nach Pausen besonders aufmerksam sein: Nach dem Wiederaufnehmen eines liegen gebliebenen Strickstücks rutschen manche Maschen leicht.
  • Aufgehobene Maschen bewusst korrekt aufsetzen: Beim Zurücksetzen einer Fallmasche immer kontrollieren.
  • Bei Mustermaschen aufpassen: Zopfreihen sind besonders anfällig – nach dem Verkreuzen einmal nachschauen.

Zum Schluss

Verzwirbelte Maschen sind keine große Sache – wenn du sie früh erkennst. Auf der Nadel ist die Reparatur eine Sache von Sekunden, im Strickbild eine Sache von Minuten. Schwierig wird es nur, wenn ein Fehler unbemerkt bleibt und unter dreißig Reihen weiteres Stricken landet. Genau deshalb lohnt es sich, am Anfang jeder Reihe einen kurzen Blick auf die Maschen zu werfen. Diese fünf Sekunden Routine sparen am Ende viel Zeit – und bewahren das Strickstück vor sichtbaren Macken, die später jeden Pulloverlift überschatten.

Amelie

Ich bin Amelie (31), verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Stricken und Häkeln habe ich mir selbst beigebracht – abends auf dem Sofa, mit schlafendem Baby neben mir und vielen wieder aufgetrennten Reihen. Heute liebe ich genau diesen Weg: ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen.

Besonders gern arbeite ich mit weichen Naturgarnen und alltagstauglichen Projekten – von Accessoires bis Geschenken. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps für entspanntes, kreatives Handarbeiten.