
Es passiert in fast jedem Strickprojekt: Du strickst entspannt vor dich hin, schaust kurz hoch – und plötzlich sind da diese kleinen Leiterchen, die durch dein Strickstück nach unten laufen. Eine Masche ist von der Nadel gefallen und hat sich auf dem Weg ein paar Reihen hinab „geöffnet“. Erster Reflex: Panik. Zweiter Reflex: Strickprojekt aufgeben. Beides ist falsch. Eine Fallmasche ist meistens in zwei Minuten gerettet – wenn du weißt, wie.
Was ist eine Fallmasche?
Beim Stricken sind die Maschen wie eine Kette: Jede Masche steckt in der Masche darunter. Wenn dir eine Masche von der Nadel rutscht und nicht sofort wieder aufgegriffen wird, beginnt sie sich zu lösen – Reihe für Reihe. Was übrig bleibt, sind kleine waagerechte Querfäden, die wie eine Leiter aussehen. Jede Sprosse dieser Leiter ist die „Spannfaden“ einer Reihe, die ohne diese Masche zurückgeblieben ist.
Solange die Fallmasche nicht ganz unten am Anschlag angekommen ist, ist sie immer rettbar.
Was du brauchst
- Eine Häkelnadel in ungefähr der gleichen Stärke wie deine Stricknadeln. Sie ist das wichtigste Werkzeug.
- Optional ein Maschenmarkierer oder eine Sicherheitsnadel.
- Ruhe und gute Beleuchtung.
Wenn keine Häkelnadel zur Hand ist, geht es im Notfall auch mit einer zweiten Stricknadel. Komfortabler ist die Häkelnadel aber deutlich.
So rettest du eine rechte Fallmasche
Stell dir vor, du strickst in glatt rechts, und die Fallmasche ist drei Reihen tief gefallen.
Schritt 1: Sichern. Lass das Strickstück liegen. Nimm einen Maschenmarkierer oder eine Sicherheitsnadel und stecke sie durch die Fallmasche selbst. Das verhindert, dass sie noch weiter aufgeht, während du das Werkzeug holst.
Schritt 2: Position einnehmen. Halte das Strickstück so, dass die Vorderseite zu dir zeigt. Du siehst die Fallmasche als kleine Schlinge und darüber die „Leitersprossen“ – die einzelnen Querfäden, die aufgenommen werden müssen.
Schritt 3: Häkelnadel einführen. Stich mit der Häkelnadel von vorne nach hinten in die Fallmasche.
Schritt 4: Erste Sprosse holen. Greife mit der Häkelnadel den untersten Querfaden und ziehe ihn als neue Schlinge nach vorne durch die Fallmasche hindurch. Du hast jetzt eine neue Masche auf der Häkelnadel – eine Reihe weiter oben als vorher.
Schritt 5: Wiederholen. Greife den nächsten Querfaden, ziehe ihn nach vorne durch die Schlinge auf der Nadel. Wiederhole das, bis du wieder oben bei der aktuellen Reihe angekommen bist.
Schritt 6: Zurück auf die Stricknadel. Setze die gerettete Masche auf die linke Stricknadel. Wichtig: Sie muss richtig herum auf der Nadel sitzen – der vordere Schenkel rechts. Wenn sie verdreht ist, einmal abheben und korrekt aufsetzen.
Linke Fallmasche – fast die gleiche Methode, mit einem Twist
Bei einer linken Masche ist das Prinzip identisch, aber die Häkelnadel kommt von hinten:
- Drehe das Strickstück so, dass die Rückseite zu dir zeigt – jetzt ist die linke Masche auf deiner Seite eine rechte Masche.
- Wende dieselbe Technik wie oben an.
- Drehe das Stück am Ende wieder zurück.
Alternative: Du kannst auch von der Vorderseite arbeiten, dann musst du die Häkelnadel allerdings von hinten nach vorne führen und den Faden andersherum holen. Die meisten Strickerinnen finden den ersten Weg einfacher.
Wenn die Fallmasche viele Reihen tief ist
Bis zu drei oder vier Reihen ist das Retten Routine. Bei sieben, acht oder mehr Reihen wird es heikel:
- Die Querfäden können sich gegenseitig überlagern – schwer zu sehen, welcher als nächstes drankommt.
- Bei Mustermaschen (Zopf, Patent) musst du die Mustersequenz pro Reihe kennen, sonst sieht die Reparatur unsauber aus.
In solchen Fällen lohnt es sich, das Strickstück bis zur Fallmasche bewusst aufzuribbeln – also Reihe für Reihe vorsichtig wieder auflösen. Das ist im ersten Moment frustrierender, gibt aber das saubere Ergebnis. Eine sichtbare Reparaturstelle in einem Lieblingspulli ärgert dich Jahre lang.
Häufige Fehler
Querfaden in falscher Reihenfolge holen. Du musst von unten nach oben arbeiten – immer den nächsten Querfaden über deiner aktuellen Schlinge holen. Wer hier durcheinanderkommt, baut zusätzliche Verdrehungen ein.
Die Masche verdreht zurück auf die Nadel setzen. Klassischer Anfängerfehler. Vor dem Weiterstricken kontrollieren: Sitzt der vordere Maschenschenkel rechts?
Die Fallmasche nicht sichern. Während du Werkzeug suchst, kann sie weiterlaufen. Erst sichern, dann handeln.
Bei feinem Garn ohne Brille. Bei Sockenwolle oder feinem Lacegarn sind Fallmaschen klein und schwer zu sehen. Gute Beleuchtung und Lesebrille sind kein Luxus, sondern Voraussetzung.
Vorbeugen ist besser
- Lifelines einbauen: bei komplizierten Mustern alle 10 – 20 Reihen einen kontrastfarbenen dünnen Faden durch alle Maschen einer Reihe ziehen. Falls etwas passiert, kannst du bis zu dieser Linie ribbelen, ohne weiter aufzudröseln.
- Maschenstopper verwenden: kleine Gummikappen, die auf das Nadelende gesteckt werden, wenn du das Stück weglegst. Verhindert, dass Maschen unbemerkt rutschen.
- Pause-Kontrolle: Bevor du das Projekt weglegst, nochmal alle Maschen durchzählen.
Zum Schluss
Eine Fallmasche ist kein Drama – sie ist Stricker:innen-Alltag. Mit etwas Übung und einer Häkelnadel reparierst du sie in einer Minute, ohne dass am fertigen Stück eine Spur zu sehen ist. Wer einmal verstanden hat, wie eine Masche aufgebaut ist und wie sie sich rekonstruieren lässt, verliert die Angst vor diesem Moment für immer. Strickfehler gehören dazu – die Frage ist nur, ob du weißt, wie sie sich beheben lassen.


