← Artikelübersicht

Maschenanschlag stricken


Maschenanschlag beim Stricken mit Garn und Nadeln

3 einfache Methoden im Vergleich

Bevor die erste Reihe gestrickt wird, müssen die Maschen auf die Nadel. Klingt simpel, ist aber für viele Anfängerinnen die erste echte Hürde. Denn der Maschenanschlag bestimmt nicht nur, wie ordentlich dein Projekt beginnt, sondern auch, wie elastisch und belastbar die untere Kante später wird. Drei Methoden reichen für 95 % aller Strickprojekte – und genau die schauen wir uns hier an.

1. Der Kreuzanschlag – der Allrounder

Der Kreuzanschlag (auch Langschwanz-Anschlag oder zweifädiger Anschlag genannt) ist die mit Abstand am häufigsten genutzte Methode und für Anfängerinnen die beste Wahl, wenn es nur eine Technik sein soll. Er entsteht aus zwei Fadenenden – dem Faden vom Knäuel und einem zuvor abgemessenen „Schwanz“.

So geht’s:

  1. Lass einen langzogenen Faden frei und lege eine Schlinge auf die Nadel. Diese erste Schlinge zählt als Masche eins.
  2. Halte die Nadel in der rechten Hand. Der Schwanzfaden liegt über dem Daumen, der Knäuelfaden über dem Zeigefinger der linken Hand. Beide Fäden hältst du mit den restlichen Fingern fest.
  3. Stich mit der Nadel von unten in die Daumenschlinge, hole den Zeigefingerfaden und ziehe ihn durch.
  4. Lass die Daumenschlinge fallen und ziehe den Faden leicht nach.

Wie viel Faden brauche ich? Faustregel: Die Breite deines fertigen Anschlags mal drei plus etwas Reserve. Bei 100 Maschen mit einer 5-mm-Nadel sind das ungefähr 90–100 cm Schwanzfaden. Sicherer ist diese Methode: Lege den Faden zehnmal um die Nadel und multipliziere die so abgemessene Länge mit der Anzahl deiner Maschen, geteilt durch zehn.

Vorteile: elastisch, sauber, hält gut. Nachteil: Du musst die Fadenlänge im Voraus abschätzen. Verschätzt du dich, fängst du nochmal an.

2. Der italienische Anschlag – die elegante Lösung für Bündchen

Wenn dein Projekt mit einem Rippenmuster beginnt – also einem Pulloverbündchen, einer Mütze oder Socken –, ist der italienische Anschlag die deutlich schönere Wahl. Er erzeugt eine schmal gerollte, sehr elastische Kante, die fließend in die Rippen übergeht. Das Ergebnis sieht professionell aus und sitzt angenehmer.

So geht’s in Kurzform:

  1. Beginne mit einer Schlinge, die zwei Anfangsmaschen ergibt (eine rechte, eine linke).
  2. Schlage abwechselnd rechte und linke Maschen an – die rechten Maschen werden mit dem Knäuelfaden von vorn aufgenommen, die linken mit dem Schwanzfaden von hinten.
  3. Stricke anschließend zwei bis vier Reihen im Rippenmuster, bevor du normal weiterstrickst.

Diese Methode wirkt im ersten Versuch tricky, aber nach zwei, drei Reihen Übung sitzt der Bewegungsablauf. Es lohnt sich – besonders bei sichtbaren Bündchen.

Vorteile: sehr elastisch, optisch hochwertig, ideal für 1×1-Rippen. Nachteil: Übungssache, etwas mehr Aufwand.

3. Der einfache Anschlag – schnell, aber nur als Notlösung

Der einfache Anschlag (auch Schlingenanschlag oder Backward-Loop-Anschlag) ist die simpelste Methode überhaupt: Du legst Schlinge für Schlinge auf die Nadel, fertig. Das geht in Sekunden – aber das Ergebnis ist locker, instabil und neigt dazu, sich beim Stricken der ersten Reihe zu verziehen.

Wann du ihn trotzdem brauchst:

  • Mitten in der Reihe Maschen anschlagen, etwa für Knopflöcher oder Ärmelausschnitte.
  • Als provisorischer Anschlag, der später wieder aufgelöst wird.
  • Beim Häkel-Stricken-Wechsel, wenn schnell ein paar Maschen ergänzt werden müssen.

Wann du ihn nicht verwenden solltest: Als Anfangskante eines fertigen Strickstücks. Schal, Pullover, Tuch – dafür ist er zu instabil. Du wirst dich später ärgern.

Welche Methode für welches Projekt?

ProjektEmpfohlene Methode
Schal mit glatt rechts oder kraus rechtsKreuzanschlag
Pullover, Mütze, Socken (mit Rippen)Italienischer Anschlag
Tuch oder DeckeKreuzanschlag
Maschen mitten in der Reihe nachlegenEinfacher Anschlag
Provisorischer AnschlagEinfacher Anschlag (oder gehäkelter Anschlag)

Die wichtigsten Tipps zum Schluss

Nicht zu fest anschlagen. Der häufigste Anfängerfehler: Die Maschen werden so straff auf die Nadel gezogen, dass die erste Reihe kaum zu stricken ist. Wer dazu neigt, schlägt mit einer Nadel an, die eine Nummer größer ist als die spätere Stricknadel.

Erste Masche nicht vergessen. Die Schlinge, mit der du startest, ist immer die erste Masche. Sie wird bei der Maschenzahl mitgezählt.

Zähl ruhig zweimal. Bevor du mit der ersten Reihe loslegst, kontrollierst du noch einmal die Maschenzahl. Korrigieren ist jetzt einfach – nach zehn Reihen nicht mehr.

Wer diese drei Anschläge beherrscht, kommt durch praktisch jedes Anfängerprojekt. Der Kreuzanschlag ist der Klassiker für den Alltag, der italienische Anschlag das Upgrade für sichtbare Kanten, und der einfache Anschlag bleibt das Werkzeug für besondere Situationen.

Amelie

Ich bin Amelie (31), verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Stricken und Häkeln habe ich mir selbst beigebracht – abends auf dem Sofa, mit schlafendem Baby neben mir und vielen wieder aufgetrennten Reihen. Heute liebe ich genau diesen Weg: ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen.

Besonders gern arbeite ich mit weichen Naturgarnen und alltagstauglichen Projekten – von Accessoires bis Geschenken. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps für entspanntes, kreatives Handarbeiten.