FAQ


Stricken & Häkeln


Merinoschaf

Die Geschichte des Merinoschafs beginnt im mittelalterlichen Spanien. Über viele Jahrhunderte hinweg galt seine Wolle als so wertvoll, dass die Tiere streng geschützt wurden. Spanien hütete das Merinoschaf wie einen Schatz – wer es außer Landes brachte, riskierte schwere Strafen. Die feine Wolle war ein begehrtes Handelsgut und machte das Land zu einem wichtigen Akteur im europäischen Wollhandel.

Erst im 18. Jahrhundert gelangten Merinoschafe nach und nach in andere Teile Europas. Mit der Auswanderung nach Übersee reisten sie schließlich weiter – nach Australien und Neuseeland. Dort fanden sie ideale Bedingungen: weite Weideflächen, trockenes Klima und viel Platz. Heute ist Australien der weltweit größte Produzent von Merinowolle.

Was das Merinoschaf besonders macht, ist seine außergewöhnlich feine, stark gekräuselte Wolle. Die Fasern sind deutlich dünner als bei vielen anderen Schafrassen. Diese Feinheit sorgt dafür, dass Merinowolle weich, elastisch und angenehm auf der Haut ist – Eigenschaften, die sie bis heute so beliebt machen.

So steckt in jedem Knäuel Merinowolle nicht nur Handarbeit, sondern auch ein Stück Geschichte – von spanischen Weiden bis zu den weiten Landschaften Australiens.


Mikron

Ein Mikron (auch Mikrometer, µm) ist eine Maßeinheit für sehr kleine Längen.
1 Mikron entspricht einem Tausendstel Millimeter (0,001 mm).

In der Wollverarbeitung beschreibt das Mikron die Dicke einer einzelnen Wollfaser. Je niedriger die Mikronzahl, desto feiner und weicher ist die Faser.

Zur Orientierung:

  • ca. 15–19 Mikron → sehr fein, besonders weich (z. B. feine Merinowolle)
  • ca. 20–23 Mikron → weich, gut tragbar
  • über 25 Mikron → deutlich kräftiger, kann kratziger wirken

Die Mikronzahl ist daher ein wichtiger Qualitätsindikator für Wolle – vor allem bei Bekleidung, die direkt auf der Haut getragen wird.


Schurwolle

Schurwolle ist Wolle, die direkt vom lebenden Schaf stammt und erstmals verarbeitet wird. Sie wird durch das Scheren gewonnen – meist einmal jährlich.

Der Begriff bedeutet:
Es handelt sich um neue, unverarbeitete Wolle, nicht um recycelte oder wiederaufbereitete Fasern.

Schurwolle zeichnet sich aus durch:

  • gute Wärmeeigenschaften
  • natürliche Elastizität
  • Atmungsaktivität
  • hohe Strapazierfähigkeit

Je nach Schafrasse kann Schurwolle sehr fein (z. B. Merino) oder kräftiger und robuster sein.

Wichtig:
Nicht jede Schurwolle ist automatisch weich – die Feinheit hängt von der jeweiligen Rasse und der Faserstärke (Mikron) ab.


Maschenprobe

Die Maschenprobe ist ein kleines Probestück, das vor Beginn eines Projekts gestrickt wird. Sie dient dazu zu überprüfen, wie viele Maschen und Reihen du auf einer bestimmten Fläche – meist 10 x 10 cm – erreichst.

Warum ist das wichtig? Jeder Mensch strickt unterschiedlich fest oder locker. Selbst wenn zwei Personen dasselbe Garn und dieselbe Nadel verwenden, kann das Ergebnis unterschiedlich groß ausfallen. Ohne Maschenprobe kann ein Pullover schnell zu klein oder zu weit werden.

Für die Maschenprobe strickst du ein etwas größeres Quadrat (z. B. 12 x 12 cm), wäschst es gegebenenfalls wie später das fertige Stück und misst erst dann. So erhältst du ein realistisches Ergebnis.

Bei Tüchern oder Schals ist die Maschenprobe weniger entscheidend, bei Kleidungsstücken jedoch sehr empfehlenswert.


Anschlag

Der Anschlag ist der erste Schritt eines Strickprojekts. Dabei werden die Anfangsmaschen auf die Nadel gebracht. Er bildet den unteren Rand deines Strickstücks und beeinflusst, wie elastisch oder stabil dieser Rand ist.

Es gibt verschiedene Anschlagmethoden:

  • Kreuzanschlag (klassisch und stabil)
  • einfacher Anschlag (schnell und unkompliziert)
  • elastischer Anschlag (gut für Bündchen)
  • provisorischer Anschlag (für spätere Weiterverarbeitung)

Ein zu fester Anschlag kann dazu führen, dass sich der Rand zusammenzieht. Ein zu lockerer Anschlag wirkt ungleichmäßig. Deshalb lohnt es sich, die Technik bewusst zu wählen – je nach Projekt und gewünschtem Effekt.


Grundmuster

Das Grundmuster beschreibt die regelmäßig wiederkehrende Struktur eines Strickstücks. Es ist sozusagen das „Gerüst“ des Projekts.

Zu den häufigsten Grundmustern gehören:

  • glatt rechts (eine Reihe rechts, eine Reihe links)
  • kraus rechts (jede Reihe rechts)
  • Rippenmuster (z. B. 1 rechts, 1 links im Wechsel)
  • einfache Strukturmuster

Das Grundmuster bestimmt, wie sich das fertige Stück anfühlt, wie es fällt und wie elastisch es ist. Ein Rippenmuster ist beispielsweise sehr dehnbar, während glatt rechts eine glatte, gleichmäßige Oberfläche erzeugt.

Viele komplexere Designs basieren auf einem einfachen Grundmuster mit zusätzlichen Details wie Zöpfen oder Lochmustern.


Abketten

Abketten ist der Abschluss eines Strickstücks. Dabei werden die Maschen nacheinander miteinander verbunden, sodass sie nicht mehr aufgehen können.

Die klassische Methode funktioniert so: Zwei Maschen werden gestrickt, dann wird die erste Masche über die zweite gezogen. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis nur noch eine Masche übrig bleibt.

Wichtig ist, nicht zu fest abzuketten. Ein zu enger Rand kann dazu führen, dass ein Pullover am Saum spannt oder ein Tuch sich nicht schön ausbreiten lässt. Oft hilft es, mit einer halben oder ganzen Nadelstärke größer abzuketten.

Für spezielle Projekte gibt es auch elastische oder dekorative Abkettmethoden.


Lochmuster

Ein Lochmuster entsteht durch eine Kombination aus Umschlägen und dem Zusammenstricken von Maschen. Der Umschlag legt einen zusätzlichen Faden über die Nadel und erzeugt später eine kleine Öffnung. Damit die Maschenzahl gleich bleibt, wird an anderer Stelle eine Masche zusammengestrickt.

So entstehen gezielt kleine Löcher, die ein luftiges, dekoratives Muster bilden.

Lochmuster werden häufig verwendet für:

  • Dreieckstücher
  • Sommertops
  • leichte Schals
  • dekorative Elemente in Pullovern

Je nach Anordnung können Lochmuster sehr schlicht oder aufwendig wirken. Besonders im Sommer sorgen sie für eine leichte, atmungsaktive Struktur.


Maschenmarkierer

Maschenmarkierer sind kleine Hilfsmittel, mit denen bestimmte Stellen im Gestrick oder Gehäkelten markiert werden. Sie helfen dabei, Rundenanfänge, Zunahmen, Abnahmen oder Musterabschnitte sichtbar zu kennzeichnen und sorgen für mehr Übersicht beim Arbeiten.


Maschenanzahl

Die Maschenanzahl bezeichnet die Anzahl der angeschlagenen oder aktuell auf der Nadel befindlichen Maschen. Sie ist entscheidend für die Breite eines Projekts und beeinflusst direkt die Passform.


Nadelspiel

Ein Nadelspiel besteht aus mehreren kurzen Stricknadeln, die vor allem zum Rundstricken kleiner Umfänge verwendet werden, etwa bei Socken, Ärmeln oder Mützen. Die Maschen werden gleichmäßig auf die Nadeln verteilt und in Runden gestrickt.


Maschenprobe

Die Maschenprobe dient dazu, die individuelle Maschendichte zu ermitteln. Dazu wird ein kleines Probestück gestrickt oder gehäkelt und ausgemessen. Sie ist wichtig, um sicherzustellen, dass das fertige Kleidungsstück die gewünschte Größe erreicht.


Lauflänge

Die Lauflänge gibt an, wie viele Meter Garn in einem bestimmten Gewicht enthalten sind, meist pro 50 oder 100 Gramm. Sie hilft dabei, Garnstärken zu vergleichen und den Materialbedarf für ein Projekt einzuschätzen.


Mercerisiert

Mercerisierte Baumwolle wurde in einem speziellen Verfahren behandelt, das die Faser glatter, glänzender und strapazierfähiger macht. Sie wirkt oft edler und nimmt Farbe intensiver auf.


Unmercerisiert

Unmercerisierte Baumwolle ist naturbelassener, matter und weicher im Griff. Sie wirkt weniger glänzend und eignet sich gut für natürliche, reduzierte Designs.


Layerbar

Layerbar bedeutet, dass ein Kleidungsstück gut in mehreren Schichten getragen werden kann. Es ist leicht genug, um unter oder über anderen Teilen kombiniert zu werden, ohne aufzutragen.


Lace-Muster

Lace-Muster sind filigrane Lochmuster, die durch Umschläge und Abnahmen entstehen. Sie erzeugen transparente, luftige Flächen und werden häufig bei Tüchern oder leichten Sommerprojekten eingesetzt.


Ajourflächen

Ajourflächen sind offene, durchbrochene Strukturen im Gestrick oder Gehäkelten. Im Unterschied zu komplexen Lace-Mustern wirken sie oft reduzierter und grafischer.


I-Cord-Abschlüsse

Ein I-Cord-Abschluss ist eine runde, stabile Kante, die direkt an das Strickstück angearbeitet wird. Sie sorgt für einen sauberen, professionellen Rand an Ausschnitten, Säumen oder Knopfleisten.


Rippenbündchen

Rippenbündchen entstehen durch das abwechselnde Stricken von rechten und linken Maschen. Sie sind elastisch und werden häufig an Ärmeln, Säumen oder Halsausschnitten eingesetzt.


Tweed

Tweedgarn enthält kleine farbige Einsprenkelungen, die an das klassische Tweedgewebe erinnern. Es verleiht dem Strickstück eine lebendige, leicht rustikale Optik.


Mélange

Mélange beschreibt ein Garn, das aus unterschiedlich gefärbten Fasern gesponnen wird. Dadurch entsteht ein melierter Effekt mit sanften Farbverläufen.


Bouclé

Bouclé-Garn besitzt kleine Schlaufen oder Knötchen in der Struktur. Es wirkt weich und texturiert, kann aber eine weniger klare Maschendefinition haben.


Dochtgarn

Dochtgarn wird nicht klassisch verzwirnt, sondern besteht aus locker zusammengehaltenen Fasern. Es wirkt weich und voluminös, ist jedoch empfindlicher gegenüber Abrieb.


Seide

Seide ist eine glatte, leicht glänzende Naturfaser mit hoher Reißfestigkeit. Sie fühlt sich kühl auf der Haut an, fällt fließend und wird häufig als Beimischung verwendet, um Garnen mehr Eleganz und Geschmeidigkeit zu verleihen.