
Wenn ein Strickmuster aussieht wie ein dreidimensionaler Zopf, der sich elegant über das Strickstück windet, ist meist ein Cable im Spiel – das Zopfmuster. Es wirkt aufwendig, fast schon kunstvoll. Tatsächlich ist die Technik dahinter überraschend simpel: Eine Hilfsnadel, ein paar Maschen kurz abnehmen, in anderer Reihenfolge wieder einarbeiten – fertig. Wer sich einmal traut, kann jeden Pullover mit einer eleganten Zopflinie aufwerten.
Was ist ein Zopfmuster?
Beim Zopfmuster werden mehrere Maschen kurzzeitig vor oder hinter die Arbeit gelegt, dann werden die nächsten Maschen gestrickt – und erst danach werden die zuvor abgenommenen Maschen verarbeitet. Das ergibt eine Verkreuzung im Maschenbild: Maschen, die optisch über andere Maschen hinwegklettern.
Je nachdem, ob die Hilfsmaschen vor oder hinter der Arbeit liegen, neigt sich der Zopf nach links oder nach rechts. Aus dieser einfachen Variation entstehen alle Zopfmuster der Welt – von schlichten 4er-Zöpfen bis zu komplexen keltischen Mustern.
Was du brauchst
- Eine Zopfnadel (Cable Needle, Hilfsnadel) – meist gebogen oder hakenförmig.
- Falls keine Zopfnadel zur Hand ist: eine kurze Stricknadel oder sogar ein dicker Häkelhaken, manchmal sogar nur ein Bleistift.
Eine Zopfnadel ist der Komfortgewinn – aber kein Muss.
Der einfachste Zopf: 4er-Zopf nach links
Du brauchst 6 Maschen für ein einzelnes Zopfmuster: 1 linke Randmasche, 4 Maschen für den Zopf selbst, 1 linke Randmasche.
So geht’s (Zopfreihe):
- Stricke die linke Randmasche links ab.
- Hebe die nächsten 2 Maschen auf die Zopfnadel ab und lege sie vor die Arbeit.
- Stricke die nächsten 2 Maschen auf der linken Nadel rechts ab.
- Stricke jetzt die 2 Maschen von der Zopfnadel rechts ab.
- Stricke die linke Randmasche links ab.
In den nächsten Reihen werden die Zopfmaschen normal rechts gestrickt (auf der Rückseite entsprechend links), bis du wieder eine Zopfreihe machst – meist alle 6 Reihen.
Das Ergebnis: Eine deutliche Schräge nach links, die sich alle 6 Reihen wiederholt und sich zu einem geflochtenen Zopf zusammenzieht.
4er-Zopf nach rechts
Identisch, aber mit einem Unterschied: Die Hilfsnadel kommt hinter die Arbeit statt davor.
- Linke Randmasche links.
- 2 Maschen auf die Zopfnadel hinter die Arbeit.
- Die nächsten 2 Maschen rechts.
- Die 2 Maschen von der Zopfnadel rechts.
- Linke Randmasche links.
Daraus ergibt sich der Zopf nach rechts.
Faustregel:
- Zopfnadel vor der Arbeit → Zopf neigt sich nach links.
- Zopfnadel hinter der Arbeit → Zopf neigt sich nach rechts.
6er- und 8er-Zopf
Die gleiche Technik, nur mit mehr Maschen:
- 6er-Zopf: 3 Maschen auf die Zopfnadel, 3 Maschen rechts, dann die 3 Maschen von der Zopfnadel.
- 8er-Zopf: 4 Maschen auf die Zopfnadel, 4 Maschen rechts, dann die 4 Maschen von der Zopfnadel.
Je breiter der Zopf, desto seltener kreuzt er sich (alle 8, 10 oder 12 Reihen). Größere Zöpfe wirken plakativer, kleinere feiner.
Wo Zopfmuster eingesetzt werden
- Pullover – als zentrale vertikale Linie oder rechts und links spiegelnd.
- Cardigans – als Säumen oder als Designelement.
- Mützen – ein einzelner Zopf rundherum als Mützenmotiv.
- Schals und Loops – mit zwei oder drei parallelen Zöpfen.
- Stulpen und Pulswärmer.
- Decken – Zöpfe als regelmäßige Strukturen.
Häufige Fehler
Zopfnadel falsch herum. Wer die Hilfsmaschen versehentlich verdreht zurück auf die Nadel nimmt, hat eine optische Störstelle im Zopf. Lösung: Hilfsmaschen so abheben, wie sie sitzen (vorderer Schenkel rechts), nicht zwischendurch drehen.
Falsche Reihe für die Verkreuzung. Anleitungen sagen meist: „alle 6 Reihen“, „alle 8 Reihen“. Wer die Reihen falsch zählt, bekommt einen Zopf mit unregelmäßigen Verkreuzungen. Maschenmarkierer in die jeweils erste Reihe nach einer Verkreuzung setzen – dann immer von dort zählen.
Zu fest gestrickt an Verkreuzungsstellen. An den Stellen, an denen Maschen vorbei oder dahinter gelegt werden, neigen viele dazu, den Faden zu sehr zu spannen. Folge: Das Stück zieht sich an Zöpfen zusammen, das Maschenbild wirkt knubbelig. Bewusst locker arbeiten.
Linke Randmaschen vergessen. Zopfmuster wirken am besten, wenn sie auf einem linken Maschenfeld stehen (also linke Maschen rundherum). Ohne diese „Polsterung“ tritt der Zopf weniger plastisch hervor.
Praktische Tipps
Beim ersten Zopf nicht überfordern. Probiere zuerst nur einen einzelnen 4er-Zopf an einem Übungsstück – kein ganzer Pullover mit zehn Zopfsträngen. Sobald die Bewegung sitzt, lassen sich auch komplexere Designs problemlos umsetzen.
Zopfreihen markieren. In einer langen Anleitung verliert man leicht die Übersicht, wann die nächste Verkreuzung kommt. Ein Maschenmarkierer in der ersten Zopfreihe und das Zählen ab dort verhindert Fehler.
Garn mit gutem Stand. Zopfmuster wirken am besten in Garnen mit etwas Körper – reine Wolle oder Wolle-Mischungen. In sehr glatter, weicher Baumwolle oder Mohair tritt das Zopfmuster optisch zurück.
Maschenprobe nicht vergessen. Zopfmuster verziehen die Maschenzahl pro 10 cm – das Maschenbild ist enger gepackt. Ohne Maschenprobe kann der Pullover unerwartet schmal werden.
Zum Schluss
Zopfmuster sind das, was viele Strickerinnen als „den Moment, in dem es richtig spannend wurde“ beschreiben. Zwei Mal die Hilfsnadel verwendet – und schon entsteht etwas, das spürbar nach Können aussieht, obwohl die Technik einfach ist. Wer den Schritt einmal gewagt hat, hat ein riesiges Spielfeld vor sich: keltische Zöpfe, Aran-Pullover, eigene Designs. Es lohnt sich, an einem Übungsstück anzufangen – und dann beim nächsten Pullover bewusst einen Zopf zu setzen. Das ist der Moment, in dem viele aus der Routine ins kreative Stricken hineinwachsen.


