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Strickschrift lesen lernen – Charts verstehen


Strickschrift mit Symbolraster neben einer gestrickten Musterprobe

Viele Strickanleitungen beschreiben jede Reihe mit Worten: „Stricke 4 Maschen rechts, 1 Umschlag, 2 Maschen rechts zusammenstricken …“. Bei einfachen Mustern reicht das. Bei komplexeren Mustern – Zopfmustern, Lochmustern, Strukturmustern – wird die Wortbeschreibung schnell unübersichtlich. Genau dort kommt die Strickschrift ins Spiel: ein gerasterter Plan, in dem jede Masche durch ein Symbol dargestellt wird. Wer Strickschrift einmal lesen kann, versteht Muster nicht nur schneller – er sieht sie auch.

Was ist eine Strickschrift?

Eine Strickschrift ist eine grafische Darstellung deines Strickbildes – meist als kariertes Raster. Jedes Kästchen entspricht einer Masche. Welche Masche es ist, zeigt das Symbol im Kästchen.

Stell es dir wie einen Bauplan vor: Was du am Ende sehen willst, ist genau das, was im Chart steht – wenn du ihn richtig liest.

Die wichtigsten Symbole

Es gibt keine weltweit einheitliche Norm – aber im deutschsprachigen Raum (insbesondere bei Burda, Filzgut, Verena, Rebecca und in den meisten deutschen Strickbüchern) sind diese Symbole Standard:

SymbolBedeutung
leeres Kästchen oder senkrechter Strichrechte Masche
Punkt oder waagerechter Strichlinke Masche
O (Kreis)Umschlag
Schrägstrich nach links ()2 Maschen rechts zusammenstricken (rechtsgeneigt)
Schrägstrich nach rechts (/)2 Maschen rechts überzogen zusammenstricken (linksgeneigt)
Pfeil nach unten / waagerechter BalkenMasche überzogen abketten oder eine Masche heben
Symbol mit „X“ oder Pfeil-KreuzungZopf-Verkreuzung
graues / schraffiertes KästchenMasche existiert nicht (Platzhalter)

Wichtig: Jedes Strickbuch hat eine Symbol-Legende. Schau immer dort zuerst – die genauen Symbole können variieren. Was bei einem Verlag ein Punkt ist, kann bei einem anderen ein Strich sein.

Wie liest man eine Strickschrift?

Hier kommt der Punkt, an dem viele Anfänger:innen zum ersten Mal stocken. Strickschrift wird nicht oben links gelesen wie ein Buch.

Beim Stricken in Reihen:

  • Du fängst unten rechts an.
  • Die Hinreihe (Reihen mit ungerader Nummer, also 1, 3, 5 …) liest du von rechts nach links.
  • Die Rückreihe (Reihen mit gerader Nummer, also 2, 4, 6 …) liest du von links nach rechts.
  • In der Rückreihe werden die Symbole außerdem umgekehrt interpretiert: Aus einer rechten Masche im Chart wird eine linke Masche auf der Nadel – und umgekehrt. Das liegt daran, dass du in der Rückreihe ja die Rückseite siehst.

Beim Stricken in Runden:

  • Du fängst unten rechts an.
  • Jede Runde liest du von rechts nach links, immer in dieselbe Richtung.
  • Die Symbole gelten direkt – kein Umkehren, weil du immer die Vorderseite siehst.

Diese Regel ist der häufigste Stolperstein. Wenn dein Strickbild aussieht wie der spiegelverkehrte Zwilling der Anleitung, hast du wahrscheinlich die Hin- oder Rückreihe falsch herum gelesen.

Mustersatz – das Symbol in Klammern

Strickcharts zeigen meist nicht das gesamte Strickstück, sondern nur den Mustersatz – also den Teil des Musters, der sich wiederholt. Das ist wie der Refrain eines Liedes: einmal aufgeschrieben, mehrfach gesungen.

Im Chart wird der Mustersatz oft durch eine dickere Linie oder durch einen Pfeil markiert. Manchmal stehen vor und hinter dem Mustersatz noch Randmaschen – die du nur einmal pro Reihe strickst, nicht in der Wiederholung.

Faustregel: Lies die Anleitung neben dem Chart. Dort steht meist ein Satz wie „Maschen vor Mustersatz × strickn, Mustersatz × × wiederholen, Maschen nach Mustersatz × strickn“. Diese Information ist entscheidend.

Die häufigsten Anfängerfehler

Falsche Leserichtung. Klassiker. Lösung: Vor dem Stricken kurz mit dem Finger über die erste Reihe gehen und sagen: „Reihe 1, von rechts nach links.“ Diese kleine Routine spart später viele Auftrennstunden.

Symbole in Rückreihen wörtlich nehmen. Wenn im Chart in Reihe 2 ein „rechtes Maschen“-Symbol steht, strickst du auf der Rückseite eine linke Masche. Das ist gewollt – sonst sähe das Stück von vorne falsch aus.

Maschenmarkierer vergessen. Bei breiten Mustern lohnt es sich, vor und nach jedem Mustersatz einen Maschenmarkierer einzuhängen. Du merkst sofort, wenn du eine Masche zu viel oder zu wenig hast.

Zopf-Symbole nicht beachten. Zopfmuster haben oft ein Symbol, das eine Verkreuzung mehrerer Maschen darstellt – mit einer Hilfsnadel. Diese Stellen sind die langsamsten im Chart und brauchen volle Konzentration. Lass das Handy weg.

Charts vs. Worte – was ist besser?

Beide Darstellungsformen haben ihren Sinn. Worte sind besser für lineare, einfache Anweisungen („4 rechts, 4 links, wiederholen“). Charts sind besser für Strukturen, bei denen du das Ergebnis sehen willst, bevor du es strickst – Lochmuster, Zöpfe, Norwegermuster, Strukturmuster.

Wer Charts einmal beherrscht, will sie nicht mehr missen. Sie sind kompakter, übersichtlicher und – was viele unterschätzen – sie helfen, das Muster auch im Kopf zu erfassen, statt nur Anweisungen blind umzusetzen.

Zum Schluss

Strickschrift ist keine Geheimsprache. Sie ist eine Abkürzung, die mit ein bisschen Übung sehr schnell sehr nützlich wird. Wer einmal verstanden hat, dass ein Chart das Bild deines Strickstücks ist – und nicht eine Liste von Befehlen –, hat den entscheidenden Schritt gemacht. Ab da geht es nur noch darum, die Symbole der jeweiligen Anleitung zu kennen. Die Logik bleibt immer die gleiche.

Amelie

Ich bin Amelie (31), verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Stricken und Häkeln habe ich mir selbst beigebracht – abends auf dem Sofa, mit schlafendem Baby neben mir und vielen wieder aufgetrennten Reihen. Heute liebe ich genau diesen Weg: ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen.

Besonders gern arbeite ich mit weichen Naturgarnen und alltagstauglichen Projekten – von Accessoires bis Geschenken. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps für entspanntes, kreatives Handarbeiten.